EGO Shooter erhitzt die Gemüter


Seit gestern kann man auf Heise, Golem, Spiegel und weiteren Seiten lesen, daß viele Menschen und Organisationen dem neuen Teil der Medal of Honor Reihe anstößig bis wiederwärtig finden. Bei dem Spiel handelt es sich um einen Ego Shooter; genauer gesagt einen Taktik Shooter. Grob zusammengefasst besteht der Unterschied darin, daß die Spielfigur weniger einsteckt und es keine Gesundheitsanzeige im eigentlichen Sinne mehr gibt Man wird in die Rolle eines Soldaten versetzt der in Afghanistan gegen die Taliban kämpft. Die Grafik ist natürlich zeitgemäß – wir bewegen uns immer näher an den Fotorealismus mit dem Endziel Holodeck heran. Eine kleine Übersicht zur Grafik Evolution habeich auf die Schnelle bei PC Games gefunden.
http://www.youtube.com/v/k-yVxKWFUnc?fs=1&hl=de_DE

Shooter sind neben MMORPG’s die wohl am kontroversesten diskutierten Spiele. Doch dieses Mal kommt die Kritik aus einem neuen Lager, den Militärs.

Der britische Verteidigungsminister äußerte sich wie folgt bei der BBC:

„It’s hard to believe any citizen of our country would wish to buy such a thoroughly un-British game. I would urge retailers to show their support for our armed forces and ban this tasteless product.“

Wilfried Stolze vom Bundeswehrverband meint:

Es ist widerwärtig, so ein Spiel auf den Markt zu bringen, während in Afghanistan Menschen sterben.

Man kann diese Aussagen durchaus verstehen, wenn man die Positionen dieser Männer betrachtet. Sie vertreten die Armeen ihrer Länder und haben wahrscheinlich keinen ernsthaften Kenntnisse von Videospielen.

Wer so um 1980 geboren wurde und ab und an mal ein Spielchen gewagt hat schaut sich die Grafik von Medal of Honor an und nickt auf jeden Fall mal anerkennend. Als ich zum ersten Mal Doom gespielt habe war die Grafik der Hammer. Gleicher Effekt nur ungefähr 15 Jahre früher:). Die künstliche Intelligenz wird auch immer besser. Bei Unreal war ich verblüfft, daß ein Skaarj abhaut und mir in den Rücken fällt. Wenn ich die heutige Mischung aus Intelligenz und „Geskriptetem“ damit vergleiche wirkt Unreal 1 schon ein wenig wie Space Invaders.

Den Moment als Wilfried Stolze zum mit diesem Spiel Kontakt hatte stelle ich mir so vor:

Herr Stolze gelangt auf irgendeinem Pfad im World Wide Web zu einem Trailer des Spiels auf einem Videoportal. Der Sound ist wahrscheinlich ausgeschaltet. Zuerst ist Herr Stolze leicht verwirrt und merkt nach kurzer Zeit, dass er keine Videoaufnahme sieht, sondern ingame Grafik. Irgendwann fängt dann das Ballern an und der Mann ist entsetzt. Als Vertreter des deutschen Bundeswehrverbands wird er sich wohl auch mit dem Leben und Sterben der deutschen Soldaten in Afghanistan auseinander setzen. Aus dieser Position heraus kann er das Spiel nur wiederwärtig finden. Ob er bei Resident Evil 5, Rage oder Left4Dead so reagiert oder ob meine Vermutungen komplett falsch sind kann ich nicht deuten. Aussagen sind halt oft vom Standpunkt oder der Position eines Menschen abhängig.

Die amerikanischen Medien regen sich darüber auf, daß man im Multiplayer als Taliban spielen kann und folglich Amerikaner töten muß. Das ist in meinen Augen so bescheuert, daß ich es gar nicht großartig kommentieren möchte.

Nun sind ja Spielen und Trailer schauen 2 Paar Schuhe. Am Wochenende hatte ich mir Modern Warfare 2 von einem Bekannten für die XBox ausgeliehen. Teil 1 hatte ich am PC gespielt. Auch wenn die Konsolen Steuerung im Vergleich mit Maus und Tastatur recht (mies) ungewohnt ist, kommt’s auf der Couch vor dem Fernseher ganz anders rüber. Es kommt einem eher wie ein interaktiver Film vor, in dem ich mich bewegen kann. Nun bin ich kein Mensch, der das Wort Killerspiele in den Mund nimmt, aber ab und an habe ich mir während der Kampagne schon gedacht, daß das jetzt leicht grenzwertig ist. Ich kann im Spiel per Laptop von einer Drohne aus Gegener mit Raketen beschießen. Man sieht das Bild der Drohne. Wenn die Rakete einschlägt ist das Bild weg und man sieht aus der Ego Perspektive eine nette Explosion. Mit ein paar Bier im Bauch glaubt man in dem Moment Nachrichten zu sehen. Wennein virtueller Gegener stirbt denke ich mir gelegentlich  „Hui das war echt krass“. Ich würde nicht soweit gehen und sagen, daß das Spiel abstoßend oder ekelhaft ist, aber zum ersten Mal seit ich Videospiele zocke hab ich darüber nachgedacht, ob das wirklich sein muß. Ich zocke eigentlich alles, außer Spiele wie Manhunt, in denen es darum geht Menschen so grausam es geht ins Jenseits zu befördern.

Medal of Honor ist nur ein Spiel von vielen. Ob die PR Abteilung von EA dafür gesorgt hat, daß das nun in den Medien so aufgeriffen wird  oder jemand wie Wilfried Stolze es durch Zufall entdeckt hat oder was anderes weiß ich nicht. Ist auch nicht so wichtig. Interessant ist wo das hinführt.

Im Herbst wird es von Sony und Microsoft eine neue Generation der Bewegungssteuerung geben. 3d Fernseher sind auf dem Vormarsch. In Sachen Feedback stagniert es ja seit Jahren mit den Vibrations Effekten, aber da kommt irgendwann auch mal was. Sicherlich werden diese Technologien am Anfang einige Schwächen haben, aber langfristig wird sich es sich etablieren. Diese Kombination wird Spiele immer realistischer erscheinen lassen. In meinen Augen sind aktuelle Spiele schon sehr Nah am interaktiven Film dran.

Im Schnitt braucht man 8-10 Stunden um einen Titel durchzuspielen. Das ist nicht lang, aber man fühlt sich gut unterhalten und der Schwierigkeitsgrad ist moderat. Ein Spielfilm dauert 90 Minuten ist jedoch auch deutlich günstiger. Das Durchspielen dauert also ungefähr 6 Mal länger als einen Film zu schauen. Ein aktuelles Spiel für die Konsole kostet ungefähr 70€ eine DVD 12€. Auch hier stimmt das Verhältniss einigermaßen. Die Kosten pro Minute Unterhaltung (Hardware nicht eingerechnet) sind ungefähr gleich, die Grafik also das Aussehen des Spiels irgendwann wohl auch.  Billige CGI Effekte aus den 90er Jahren werden heute von Spielen mühelos abgehangen. Der große Unterschied ist halt, das man selbst bestimmt was einem der Fernseher zeigt.

Ich schau mir gerne Mal Action Filme an. Wenn ab und an mal jemand ordentlich zerissen wird ist das schon cool. Aber möchte ich das selbst tun?  Ich lösche zwar nur eine digitale Existenz aus – irgendeine virtuelle Figur, deren Ableben auf meinem Fernseher jedoch äußerst realistisch dargestellt wird.

Aber was ist in 10, 20 Jahren? Habe ich dann eine holografische Waffe in der Hand und erschieße eine projizierte Figur die sich hinter meiner Couch versteckt?  Wie sieht dann das Spiel zum neuen Hannibal Lecter Film aus? Muß ich da Menschengehirn braten oder Leute essen? Welcher normale Mensch möchte so etwas tun? Wird es in ferner Zukunft das Genre der Mordsimulation geben?

Wenn Phillip K. Dick noch leben würde, gäbs bestimmt ein schönes Buch zu diesem Thema.

Wie seht Ihr das? Glaubt Ihr, dass es soweit kommt oder doch ganz anders?

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Eine Antwort zu EGO Shooter erhitzt die Gemüter

  1. Tino schreibt:

    Ich habe früher relativ viel gezockt aber Taktikshooter haben mich nie sonderlich interessiert. Ich kann viele Menschen und auch Politiker teilweise auch verstehen wenn sie diese Art der Spiele kritisieren. Natürlich ist das leider oft arg reißerisch. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen, die wirklich einen Kreig erlebt haben, solche Spiele mehr als geschmacklos finden.

    Vielleicht kann man mit einem gewissen Abstand zum Thema Computerspiele sogar besser beurteilen was moralisch verwerflich ist und was nicht.

    Es gab und gibt da draußen so tolle Spiele (ja auch Shooter), welche ein großartiges Spielprinzip haben und wundervolle Geschichten erzählen.

    Wenn man sich die Taktikshooter ansieht, dann erkennt man, dass es tatsächlich Kriegsimulationen sind und sie werden Spiele genannt. Jetzt frage ich: was ist daran so toll Krieg zu spielen? Man muss sich das wirklich auf der Zunge zergehen lassen und man sollte mal länger darüber nachdenken ob man das wirklich braucht. Wie realistisch müssen solche Spiele noch werden, bis die Menschen erkennen, dass sie geschmacklos sind? Oder erhöht der ansteigende Realismusgrad nicht noch die Anziheungskraft? Ich kann mir gut vorstellen, dass Spiele einen besseren Ruf hätten, wenn es solche Titel und auch einige andere geschmacklose Egoshooter nicht geben würde. Denn gerade diese Titel haben eine enorm große Außenwirkung und nicht die ach so harmlosen Strategie-, Rollen- oder Sportspiele. Aber das ist ja alles mittlerweile ein riesiger Markt und mit schicker Grafik und realistischen Effekten sind so einige junge Leute ansprechbar, welche noch nicht die Reife haben sich über den Sinn und die Inhalte der Titel Gedanken zu machen.

    Ich bin wahrlich kein Gegner von Computerspielen auch wenn ich mittlerweile nichts mehr Spiele (leider). Aber man sollte auch mal die Kritiker nicht immer in die Lächerlichkeit ziehen, denn mindestens ein Fünkchen Wahrheit ist meistens dran.

    Übrigens eine tolle Übersicht bei PC Games, da wird man gleich wieder nostalgisch.

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